Theater spielen ist viel mehr als Text auswendig lernen und ihn auf einer Bühne laut und gut betont zu rezitieren. Im Theater wird ein dritter Raum geschaffen, in dem es eine gemeinsame Verabredung gibt zum Spiel, zum »Wir tun nur so«. So entsteht eine fiktive – eine theatrale Welt – in der es besondere Regeln und Vereinbarungen gibt. Diese Verabredung ist eine Einladung und zugleich eine Erlaubnis, in andere Rollen und Situationen zu schlüpfen und fern von gewohnten Verhaltensmustern zu agieren (Höhn 2015: 11). 


Wenn durch eine Demenzerkrankung das Vergessen stetig voranschreitet, sind nicht nur die Orientierung und das Kurzzeitgedächtnis betroffen, auch Vergangenheit und Zukunft verlieren ihre Bedeutung. Die Gegenwart rückt in den Mittelpunkt, das Hier und Jetzt bekommt Priorität (Zeisel 2011: 70ff.). Daher besitzen Menschen mit Demenz aus sich selbst heraus ein großes Talent zum Theaterspielen. Sie leben im Moment und haben den Drang sich zu vergleichen oder ihre Handlungen zu kontrollieren häufig verloren. Sie geben ihren Bedürfnissen und Gefühlen leichter nach und lassen sich von der Freude am Theaterspielen mit anderen mitreißen.


Auszug aus Höhn, J. (2016): Theater Demenzionen - Theaterprojekte in Einrichtungen der Altenhilfe. In: Kollak (2016): Menschen mit Demenz durch Kunst und Kreativität aktivieren. Eine Anleitung für Pflege- und Betreuungspersonen. Frankfurt: Springer Verlag (S.139-150)